Klarer Durchblick im Bad dank Lehm

22.11.2018 17:05


Klarer Durchblick im Bad dank Lehm | Bild 1

 

Lehmverputzte Wand im Badezimmer Architekt: Jan Rösler Architekten, Sven Rickhoff / Fotograf: Simon Menges

Der Spiegel beschlägt, auf dem Boden bilden sich kleine Pfützen, weil sich Kondens­wasser an den Fliesen absetzt und langsam her­unter­rinnt. Ein geöffnetes Fenster oder eine gute Lüftung schaffen Abhilfe, der Dampf verzieht sich mit der Zeit, die Sicht wird wieder klar. Mit Lehm wäre sie erst gar nicht ge­trübt worden.

Das natürliche Material reagiert stark auf Wasser. Der beim Duschen ent­stehende Dampf wird rasch auf­ge­nommen und lang­sam wieder an die Luft ab­ge­ge­ben. Reicht es also, einen Klumpen Lehm in einer Ecke zu platzieren? „Je mehr Material ver­wendet wird, desto bes­ser“, rät Architekt Jan Rösler, der schon viele Bäder mit Lehm­bau­platten umgesetzt hat. „Bei großen Flächen reicht eine dünne Schicht von fünf bis sechs Millimetern. Doch normaler­weise werden Platten mit einer Stärke von fünf­und­zwanzig Milli­metern ver­wendet, die dann noch mit Lehm ver­putzt werden.“ Lehm­bau­platten be­stehen zu achtzig Prozent aus Lehm, der auf einer Armierung auf­ge­bracht ist. Alter­nativ können Wände auch direkt mit Lehm ver­putzt werden, dafür eignet sich aber nicht jeder Unter­grund.

 

Lehm passt in jedes Bad

„Wie viel Dampf auf­genommen wird, hängt natürlich auch von der Stärke der Lehm­schicht ab und der ab­soluten Fläche, auf der der Lehm auf­gebracht ist“, weiß Rösler. Für einen Single­haushalt etwa empfiehlt er, rund ein bis zwei Quadrat­meter mit Lehm zu versehen. Das kann auch ganz un­auffällig an der Decke sein, selbst in der Dusche – sofern der Brausekopf weit genug ent­fernt ist. Denn: Lehm ist nicht wasser­fest, lässt sich auch nicht feucht abwischen. „Um das Waschbecken herum würden durch Spritzer auf dem Lehm langfristig un­schöne Flecken entstehen. Ein Fliesen­spiegel oder Glas schützt hier“, so Rösler. Schimmelbildung ist hingegen eher un­wahrschein­lich, da sich eben keine Stau­nässe bildet. Lehm trägt ins­gesamt zu einem besseren Raum­klima bei.

 

Nicht nur lehmfarben

Und wie steht es um die Ästhetik? Braun ist die natürliche Farbe des Lehms. Wem das nicht gefällt, kann den Lehm­putz durch­ge­färbt erhalten oder mit Lehm­farbe über­streichen. Wichtig dabei ist aller­dings, dass die Farbe die Eigen­schaften des Lehms nicht ver­mindert. Wer Lehm­platten mit Fliesen kombinieren möchte, kann beim Ein­bau darauf achten, dass die Fliesen auf einem Unter­bau auf­ge­bracht werden, damit sie bündig mit den Lehm­wänden ab­schließen.

Und auch nachträglich lässt sich Lehm im Bad integrieren. Zum einen können Lehm­bau­platten eben an der Decke montiert werden, was auch bei kleinen Bädern eine gute Mög­lich­keit ist. Zum anderen lassen sich die Platten leicht auf ver­schiedene Unter­gründe schrauben. „Lehm hat viele Vor­teile. Doch er ist empfindlich was Stöße an­geht und auf­wendiger zu reparieren“, be­tont Rösler. Ein wenig Toleranz gehört also schon dazu, mit Lehm zu leben. Aber aus ökologischer und gesundheit­licher Sicht sind Lehm­wände im Bad sicher ein Gewinn.


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